Stoffliche Wasserstoffnutzung im Fokus
(28.10.2024)
Campus-Podiumsgespräch verdeutlicht Bedeutung von Wasserstoff für Forschungsstandort und Chemieindustrie
Burghausen. Wasserstoff soll für den Weg hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft eine entscheidende Rolle einnehmen. Gerade für produzierende Industriezweige wie die chemische Industrie ist die stoffliche Nutzung von besonderem Interesse. Welche Bedeutung das für die Unternehmen im bayerischen Chemiedreieck, für die Forschung und die Kommunen vor Ort hat, verdeutlichte ein Podiumsgespräch im voll besetzten Audimax des Campus Burghausen der TH Rosenheim.
In Kooperation mit dem Campus Burghausen der TH Rosenheim, dem Reallabor Burghausen – ChemDelta Bavaria und der Stadt Burghausen veranstaltet die vhs Burghausen-Burgkirchen die Vortragsreihe “Die nachhaltige Zukunft Burghausens” und widmet sich den neuesten Entwicklungen rund um Wasserstoff. Auf rekordverdächtiges öffentliches Interesse stieß dabei die Podiumsdiskussion im Audimax des Campus Burghausen: Rund 120 Besucher waren gekommen, als Dr. Christian Hackl (H2-Reallabor-Geschäftsführer und Gesamtprojektleiter), Prof. Dr. Patrick Preuster vom Wasserstoff-Lehrstuhl am Campus Burghausen, Burghausens Bürgermeister Florian Schneider und Wacker-Werkleiter Dr. Peter von Zumbusch zum Thema „Wasserstoff – Energieträger der Zukunft?“ diskutierten. Moderiert wurde die Runde von Konrad Kammergruber, Kreisrat und Vorsitzender der Volkshochschule Burghausen-Burgkirchen.
Der Werkleiter der Wacker Chemie in Burghausen, Dr. Peter von Zumbusch, verdeutlichte den Stellenwert des kostbaren Rohstoffs: „Wasserstoff muss im Wesentlichen für stofflich-chemische Zwecke eingesetzt werden und die bisher eingesetzten fossilen Rohstoffe zukünftig ersetzen.“ Wacker wolle bis 2045 CO2-neutral produzieren und bringe sich daher im laufenden Forschungsprojekt des H2-Reallabors Burghausen konkret ein. Man wolle auch die Energiewende antreiben, um mit Produkten und Prozessen, die dafür konform seien, am Markt bestehen zu können.
H2-Reallabor-Geschäftsführer Dr. Christian Hackl unterstrich dies: „Bei unseren Forschungsaktivitäten geht es in erster Linie um die stoffliche Nutzung von Wasserstoff, nicht um die energetische!“ 35 Partner von Hochschulen und Unternehmen würden dafür im H2-Reallabor-Projekt mitwirken, neben den rund 40 Mio. Euro an staatlicher Förderung würden auch die Firmen zusätzliche 20 Mio. Euro beitragen. Dr. Hackl sieht dabei „das H2-Reallabor in einer Brückenfunktion zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im bayerischen Chemiedreieck und für die deutsche chemische Industrie insgesamt“: Man entwickle die Technologien und teste sie dann in der industriellen Umgebung beispielsweise bei Wacker oder in der Zementindustrie bei Rohrdorfer. Das gerade für rund 60 Mio. Euro im Bau befindliche Wasserstoff-Technikum des Campus Burghausen gehört zwar nicht zum H2-Reallabor-Projekt, sei aber ein „weiteres inhaltlich eng verzahntes Glied für die Wasserstoff-Forschung vor Ort“.
H2-fähiges Gaskraftwerk in Burghausen?
Bürgermeister Florian Schneider betonte: „Wasserstoff für die industrielle Verwendung ist für die Zukunft der Chemieregion von enormer Bedeutung.“ Daher gebe es bei dieser Thematik einen „Dreiklang von Industrie, Forschung und Campus sowie der Kommune und dem Landkreis“. Burghausen sei außerdem zur Stärkung der Netzstabilität sowie wegen seiner Nähe zu den Industrieverbrauchern und der vorhandenen Flächen auch „ein guter Standort für den Bau eines Wasserstoff-fähigen Gaskraftwerks“, so Schneider. Gespräche mit potentiellen Investoren würden gerade stattfinden und man bemühe sich alle notwendigen Akteure zusammen zu bringen. Auch Wacker sei in die Überlegungen eingebunden, so Werkleiter von Zumbusch: „So ein Gaskraftwerk wäre im bayerischen Chemiedreieck nicht an der falschen Stelle!“
H2-Lehrstuhl-Inhaber Prof. Dr. Preuster skizzierte die Besonderheit des Campus-Standortes: Die Verbindungen und die Nähe zu den ChemDelta-Firmen am Campus Burghausen bedinge den praxisorientierten Schwerpunkt Verfahrenstechnik im Wasserstoff-Studiengang: „Von hier kommen dann die künftigen Wasserstoff-Fachkräfte für den Bedarf der Industrie vor Ort.“ Zudem könnten sich die Studierenden über ihre Master-Arbeiten und die Ergebnisse aus der Lehre am Campus direkt bei der Industrie vor Ort einbringen. Prof. Preuster betonte auch die Vorteile und die Funktion von Wasserstoff, der „grün“ aus regenerativen Energiequellen gewonnen werden könne und künftig als Energie-Speicher nutzbar sein könnte – das sei aber derzeit noch mit enormen Kosten verbunden und schlicht „zu teuer“.
Das Projekt H2-Reallabor Burghausen – ChemDelta Bavaria (H2 steht für Wasserstoff) wird mit aktuell über 40 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das ihm angeschlossene FONA „Forschung für Nachhaltigkeit“ (Eine Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung) im Zeitraum von April 2023 bis März 2027 gefördert: Damit sollen neue Technologien entwickelt und zur Marktreife geführt werden, um Wasserstoff insbesondere als stoffliche Basis in der chemischen Industrie zu nutzen.
www.reallabor-burghausen.de/h2-reallabor/
Reallabor Burghausen - ChemDelta Bavaria gGmbH: Die Gesamtleitung des Projekts H2-Reallabor Burghausen – ChemDelta Bavaria liegt bei der Reallabor Burghausen - ChemDelta Bavaria gGmbH, die 2021 von der Stadt Burghausen, dem Landkreis Altötting sowie sechs weiteren Gesellschafter aus der Chemieindustrie und der Logistik als gemeinnützige Gesellschaft gegründet wurde, um innovative und nachhaltige Lösungen für die Transformation der Region ChemDelta Bavaria hin zur Wasserstoffwirtschaft zu erforschen und zu Anwendungsmöglichkeiten in weiteren Branchen einschließlich der Logistik zu entwickeln.
www.reallabor-burghausen.de
ChemDelta Bavaria: Das bayerische Chemiedreieck im südöstlichen Oberbayern gehört zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des High-Tech-Standorts Bayern und zu den bedeutenden Chemieregionen Europas. Die rund 25 Unternehmen der chemischen Industrie beschäftigen direkt mehr als 20.000 Menschen und erwirtschaften ein Gesamtumsatzvolumen von rund 12 Mrd. Euro. Das entspricht rund 50 Prozent aller Chemiebeschäftigten in Bayern und über sechs Prozent des deutschen Chemieumsatzes.
www.chemdelta-bavaria.de
Die Bedeutung von Wasserstoff für die stoffliche Anwendung in der Chemie und für den Forschungsstandort Burghausen vorgestellt: (von links) Dr. Christian Hackl (H2-Reallabor Burghausen ChemDelta Bavaria), Prof. Dr. Patrick Preuster (Wasserstoff-Lehrstuhl Campus Burghausen), Moderator Klaus Kammergruber (vhs Burghausen-Burgkirchen), Dr. Peter von Zumbusch (Werkleiter Wacker Chemie) und Burghausens Bürgermeister Florian Schneider . (Foto: M. Koch/KommExpert)
Wasserstoff für die Chemieindustrie soll im Wesentlichen für stofflich-chemische Zwecke verwendet werden wie hier beispielsweise am Wacker-Standort Burghausen, um damit künftig fossile Rohstoffe in den Produktionsprozessen ersetzen zu können: Dies betonte man beim H2-Podiumsgespräch im Audimax. (Foto: Wacker Chemie AG)