TenneT informierte über Projekt „Energiewende-Leitung ChemDelta“
(06.11.2024)
Mögliche Standorte für Umspannwerk vorgestellt – Suchräume im Raum Burghausen
Burghausen. Den geplanten Bau einer 380-Kilovolt-Leitung aus dem Raum Simbach in den Raum Burghausen hat das Leitungsinfrastruktur-Unternehmen TenneT kürzlich bei einem Informationsnachmittag im Burghauser Bürgerhaus vorgestellt. Geplant sind zudem ein Umspannwerk im Norden von Simbach (Lkr. Rottal-Inn), in etwa so groß wie 36 Fußballfelder (rund 27 Hektar), und ein weiteres im Raum Burghausen oder Haiming sowie eine Schaltanlage im Kreis Rottal-Inn. Im Landkreis Altötting sind zwei mögliche Standorte in der Überlegung. Favorisiert wird ein Standort an der B20 nahe der Industrieanlagen des großen Burghauser Chemie- und Raffineriestandorts.
Zum Projekt, das auch unter dem Namen „Energiewende-Leitung ChemDelta“ firmiert, stehen noch keine Details fest, nur, dass die neue Infrastruktur gebaut wird und dass ohne diese neue Stromleitung und die dazugehörenden Umspannwerke eine Energiewende in der Region nicht möglich sein wird. Aktuell sucht TenneT nach geeigneten Flächen für die Anlagen. Außerdem werden Gespräche mit Bürgern geführt, um das Projekt zu erläutern. Es werden Anregungen und Sorgen von Bürgern und vor allem von etwaigen Anliegern der Anlagen aufgenommen, um sie nach Möglichkeit in die Planungen aufzunehmen.
„Energiewende“ könnte Stromverbrauch im ChemDelta verdoppeln
Das neue Projekt steht im Zusammenhang mit der angestrebten Energiewende in Deutschland und mit der damit verbundenen Herausforderung für die Stromnetze im Land. Bis 2045 werde sich allein der jährliche Stromverbrauch von aktuell rund fünf Terawattstunden im Chemiedreieck mehr als verdoppeln, schätzt die Industrie. „Allein der Strombedarf der energieintensiven Unternehmen im Bayerischen Chemiedreieck wird bis 2050 um das 2,5-Fache ansteigen“, so eine aktuelle Kalkulation von TenneT – sollten alle Anlagen weiterhin in Betrieb und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Allerdings diene die nun von TenneT geplante Infrastruktur nicht allein der lokalen Industrie, sondern auch dem gesamten Gewerbe und den Privathaushalten, machten Industrievertreter in Burghausen klar: „Um auch in Zukunft eine flächendeckende und sichere Stromversorgung sicherstellen zu können, muss das Übertragungsnetz in der Region verstärkt und ausgebaut werden.“
In den geplanten Umspannwerken werden – kurz formuliert – Stromleitungen verbunden, Strom auf verschiedene Spannungsebenen transformiert und weitergeleitet. Je höher die Spannung, desto geringer sind die Verluste bei der Übertragung der elektrischen Energie. Die nun geplanten Umspannwerke und Leitungen verbinden das Bayerische Chemiedreieck und die gesamte Region mit dem deutschlandweiten Höchstspannungsnetz, erlauben nicht nur den Transport von Strom aus Norddeutschland, sondern auch das Einspeisen von Strom aus lokaler und dezentraler Erzeugung, wie zum Beispiel in Solaranlagen in das deutschlandweite Netz.
Ein Schaltwerk, auch als Lastverteilerwerk bezeichnet, wie es im Kreis Rottal-Inn geplant ist, ist eine Schaltanlage, in der wie in einem Umspannwerk Schalthandlungen vorgenommen werden. Im Unterschied zu einem Umspannwerk wird jedoch die elektrische Spannung nicht zusätzlich in unterschiedliche Ebenen transformiert. Der Platzbedarf ist deshalb geringer. Eine Schaltanlage ist im Raum zwischen Wurmannsquick und Eiberg projektiert. In diesem Schaltwerk soll die Stromtrasse in Richtung Umspannwerk Pirach bei Burgkirchen angebunden werden. Das Umspannwerk bei Simbach ist im Dreieck zwischen Reut, Wittibreut und Simbach im Hügelland vorgesehen.
In der Inntal-Ebene bei Simbach sei nicht ausreichend Platz vorhanden, so die Information. Allerdings sei der Bau eines Umspannwerkes mit einem Flächenbedarf von rund 27 Hektar im Hügelland durchaus eine technische Herausforderung, die große Bodenbewegungen erfordert, so der Tenor bei der TenneT-Informationsveranstaltung in Burghausen.
Ausgleichszahlungen für Flächenbesitzer
Für Besitzer von Flächen, die von den Baumaßnahmen betroffen werden, sind detaillierte Ausgleichszahlungen vorgesehen. Grundstücksbesitzer können sich zudem an den Kompensationsmaßnahmen beteiligen und profitieren. TenneT interessiert sich für ertragsschwache und schlecht zu bewirtschaftende Areale in landwirtschaftlicher oder forstlicher Nutzung als Ausgleichs- und Ersatzflächen.
Fertigstellung und Inbetriebnahme „deutlich vor 2035“ beabsichtigt
Die Suche nach Flächen für die Umspannwerke und Trassenvoruntersuchungen für die Raumverträglichkeitsprüfung begannen bereits heuer. Für 2028 ist das Planfeststellungsverfahren zur behördlichen Feststellung des exakten Trassenverlaufs und 2030 der Beginn der Bauphase vorgesehen. „Deutlich von 2035“, so zumindest das Vorhaben, sollen Fertigstellung und Inbetriebnahme erfolgen.