Stellenabbau bei Wacker Chemie: Auswirkungen auf Industriedienstleister im bayerischen Chemiedreieck

(10.06.2026)

Burghauser Elektrotechnik- oder Ingenieur-Dienstleister wie Kreutzpointner bzw. FiWa reagieren – Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Burghausen dennoch weiterhin hoch

Burghausen. Die Auswirkungen des aktuellen Stellenabbau- und Einsparprogramms „PACE“ bei der Wacker Chemie auf die Industriedienstleistungsfirmen der Wirtschaftsregion Burghausen sind bereits erheblich zu spüren: So beispielsweise beim Elektrotechnik-Dienstleister Kreutzpointner und beim Ingenieur-Dienstleister FiWa, zwei Burghauser Unternehmen mit langjährigen Verbindungen zur Wacker Chemie. Beide Unternehmen haben sich jedoch bereits auf die schwächere Auftragslage bei Wacker eingestellt und entsprechend mit der Gewinnung neuer Kundenaufträge reagiert.

Engmaschiges Netz von Chemieproduktion, Dienstleistungen, Handel und Gewerbe
Im Umfeld der großen Burghauser Produktionsstandorte der Chemie- und Raffinerie-Industrie agieren traditionell überwiegend mittelständisch geprägte Dienstleistungsunternehmen, Zulieferer sowie Bau- und Handwerksbetriebe mit insgesamt rund 3.000 industrieerfahrenen Mitarbeitern. Hochqualifizierte Beschäftigte in Handel und Gewerbe komplettieren das vorbildliche Burghauser Netzwerk. Die Dienstleister am Wirtschaftsstandort Burghausen und in der Region bilden zusammen mit der chemischen Industrie ein engmaschiges Service-Netzwerk mit kurzen Wegen, eng verzahnten Geschäftsprozessen und partnerschaftlichen Geschäftsbeziehungen.

Abbau von 1.300 Burghauser Wacker-Stellen
Das im Frühjahr 2026 konkret gewordene Wacker-Einsparprogramm wirkt sich jetzt besonders auf das Wacker-Stammwerk Burghausen aus: Von den weltweit rund 1.600 Stellen werden allein in Burghausen ca. 1.300 abgebaut. Mit spürbaren Folgen für das Burghauser Dienstleistungsnetzwerk im Wacker-Umfeld, wie z. B. die Elektro Kreutzpointner GmbH. Das Burghauser Unternehmen ist größter mittelständischer Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber in Burghausen. Seit 1956, also heuer exakt 70 Jahre her, ist Kreutzpointner bei Wacker als EMSR-Dienstleister tätig. Seit dem Jahr 2000 sogar mit einem großen Standort direkt auf dem Werksgelände. In Hoch-Zeiten wie 2015/2016 gab es dort einen gut 250 Mitarbeiter starken EFK-Personalpool.

Auftragsrückgang und Personalverlagerungen bei Kreutzpointner
„Unser Auftragsrückgang bei Wacker beträgt mittlerweile um die 40 Prozent“, informiert Walter Bauer, einer der beiden Kreutzpointner-Geschäftsführer und verantwortlich für die Geschäftsbereiche Industrietechnik sowie IT-Systeme. Die Folgen: „Im Dezember 2025 hatten wir am Kreutzpointner-Standort bei Wacker noch 220 Mitarbeiter. Aktuell sind es noch 70. Bereits ausgelagert wurden an die 40 Mitarbeiter auf aktuelle Energie-Baustellenprojekte in München sowie zu EMSR-Projekten bei namhaften Chemiebetrieben im bayerischen Chemiedreieck und im Großraum München“, so Walter Bauer.

„Frühzeitig Warnsignale erkannt und reagiert“
„Schon frühzeitig im Jahr 2025 haben wir die ersten Warnsignale von Wacker wahrgenommen und daraufhin im größeren Umkreis und bei anderen Stammkunden sofort die Akquise neuer Kunden und Projekte begonnen“, sagt Walter Bauer. „Die dort erkämpften Aufträge und Projekte werden mit Personal aus dem Pool des Kreutzpointner-Standorts im Wacker-Werk unterstützt. Ebenso helfen Mitarbeiter aus dem Wackerpool bei Schwestergesellschaften wie unserer Kreutzpointner energy aus.“ Und bereits 2023 hatte die Kreutzpointner-Industrietechnik glücklicherweise die Strategieweichen neu justiert, wie Bauer betont: „Und zwar nicht nur auf Portfolioerweiterung, sondern auch auf die Streuung unserer Kunden und Projekte, wo wir auch erfolgreich sind: Z. B. für Großprojekte wie RV Stadtwerke München und einige Energieprojekte in Bayern, außerdem für größere Projekte im Chemiedreieck. Die Akquise in Bayern und deutschlandweit ist schon voll im Gange. Und auch die Entwicklung eines Kreutzpointner-Industriestützpunktes im Großraum München.“

Auch FiWa von ausbleibenden Wacker-Aufträgen betroffen
Seit 1972 ist Finze & Wagner Komplettanbieter als Engineering-Unternehmen. Die Leistungspalette erstreckt sich von ingenieurmäßigen Planungs- und Ausführungsarbeiten in den Bereichen Elektro-, Mess-, Regelungstechnik, Prozessautomatisierung SPS/ PLS, Maschinen- und Anlagenautomatisierung sowie Technischer Gebäudeausrüstung. Wie die Finze & Wagner Ingenieurgesellschaft mbH kürzlich der Lokalpresse auf Nachfrage berichtete, sei man bereits seit rund fünf Jahrzehnten mit der Wacker Chemie verbunden. Aufgrund des Umsatzeinbruchs durch ausbleibende Wacker-Aufträge werde nun auch bei FiWa der Anteil von Kundenprojekten außerhalb des Wacker- und Chemie-Umfelds größer. Personal habe man aber bisher noch nicht abbauen müssen, denn schon aufgrund des demografischen Wandels und von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, nehme der Personalstand ab.

Wirtschaftsstandort Burghausen weiterhin attraktiv
Insgesamt sehen sowohl Kreutzpointner als auch FiWa aber nicht, dass die wirtschaftliche Attraktivität Burghausens wegen der angespannten Situation bei Wacker einschneidend abnehme. Zwar werden Einschnitte bei öffentlichen Aufträgen erwartet, aber die Stadt weise viele weitere positive Investitionsaspekte auf. So vor allem derzeit die Investitions- und Bauaktivitäten rund um die neue Stadtmitte Burghausens: Bis Ende 2027 wird beispielsweise das Salzachareal mit dem Bau eines Technikums des Campus Burghausen der Technischen Hochschule Rosenheim sowie eines Wohn- und Geschäftskomplexes der VR ImmoInvest GmbH neu entwickelt und nachhaltig gestaltet. Beim gerade im Bau befindlichen Campus-Technikums werden bis zur geplanten Eröffnung 2028 rund 70 Mio. Euro investiert. Zahlreiche regionale Fach-Dienstleistungsfirmen wie Elektro Kreutzpointner oder das Bau- und Planungsunternehmen Hinterschwepfinger sind am Bau maßgeblich beteiligt.

mko

Von: http://www.burghausen.com

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Das im Frühjahr 2026 konkret gewordene Wacker-Einsparprogramm wirkt sich jetzt besonders auf das Wacker-Stammwerk Burghausen aus: Von den weltweit rund 1.600 Stellen werden allein in Burghausen ca. 1.300 abgebaut. Mit spürbaren Folgen für das Burghauser Dienstleistungsnetzwerk im Wacker-Umfeld. (Foto: Wifög/Kerscher)

Ein Teil des Industrietechnik-Teams am Kreutzpointner-Standort im Wacker-Werk Burghausen. Im Dezember 2025 waren hier noch 220 Mitarbeiter tätig, heute sind es nur noch rund 70. Mit dem freigewordenen Personalpool werden nun Aufträge von Neu- und Stammkunden außerhalb des Werkes durchgeführt. (Foto: Wacker Chemie)

Beim gerade im Bau befindlichen Burghauser Campus-Technikum werden bis zur geplanten Eröffnung 2028 rund 70 Mio. Euro investiert. Zahlreiche regionale Fach-Dienstleistungsfirmen wie Elektro Kreutzpointner oder das Bau- und Planungsunternehmen Hinterschwepfinger sind am Bau maßgeblich beteiligt. (Screenshot: KommExpert)

Weiterhin positive Investitionsaspekte am Wirtschaftsstandort Burghausen: So vor allem derzeit die Investitions- und Bauaktivitäten rund um die neue Stadtmitte Burghausens. Hier wird das Salzachareal mit dem Technikums-Neubau des Campus Burghausen und einem neuen Wohn- und Geschäftskomplex der VR ImmoInvest GmbH neu entwickelt und nachhaltig gestaltet. (Visualisierung: Hinterschwepfinger)