Konzertiert für Wasserstoff-Technologie im Bayerischen Chemiedreieck

(31.01.2021)

Aus Plänen werden Projekte – Unterstützung durch die Politik – Interview mit Initiator MdL Dr. Martin Huber

Burghausen/Töging. Das Thema Wasserstoff hat in den vergangenen Monaten in der Region, vor allem im Bayerischen Chemiedreieck, an Fahrt aufgenommen. Dabei hatte alles zunächst mal im Januar 2020 mit einer unscheinbaren, aber aus Politik und Wirtschaft hochrangig besuchten Konferenz im Landratsamt Altötting begonnen. Nach einem Jahr zieht Initiator, Landtagsabgeordneter Dr. Martin Huber aus Töging im Gespräch mit der Redaktion Heimatwirtschaft des Alt-Neuöttinger Anzeigers/PNP eine erste Bilanz:

Herr Huber, vor einem Jahr sind Sie mit der Wasserstoff-Initiative und deren Potenzial für die Region an Inn und Salzach, vor allem für das Bayerische Chemiedreieck, an die Öffentlichkeit getreten. Sind Sie mit der Resonanz und bisherigen Entwicklung zufrieden?
Dr. Martin Huber: Ich bin sogar sehr zufrieden! Es hat sich hier eine Dynamik entwickelt, aus der Ideen und Anregungen zur Herstellung und Nutzung von Wasserstoff geradezu sprudeln. Es freut mich, dass sämtliche Unternehmen hier aus dem bayerischen Chemiedreieck vom Mittelstand bis zur Industrie hinter der Initiative stehen und ihren Beitrag leisten wollen.
Das Gesamtpaket, das wir hier bieten können, ist äußerst schlagkräftig: Auf den vier Säulen 1. Verfügbarkeit von Wasserstoff, der als „Nebenprodukt“ zum Beispiel bei Vinnolit anfällt, 2. Produktion von grünem Wasserstoff, 3. Anwendung in der Praxis als Grundstoff in der Chemie, als Energieträger in der Mobilität und dem Aufbau einer Wasserstoff-Logistik und 4. Wasserstoff in Forschung und Lehre können wir einen absoluten Leuchtturm bauen.
Die Wertschöpfungskette kann sich dabei auch wirklich durch den gesamten Landkreis Altötting ziehen – von den Standorten der Wasserkraftwerke über mittelständische Betriebe bis zur Industrie. Mein Dank gilt hier auch in besonderer Weise Anton Steinberger, der über die RegioInvest ein unverzichtbarer Partner und Antreiber ist, genau so wie Andreas Seebach, der aus den verschiedenen Impulsen ein sehr fundiertes Gesamtkonzept entwickelt hat.

Was sollte aus Ihre Sicht als nächstes geschehen? Oder konkreter gefragt: Gibt es einen Stufenplan in der Staatsregierung, um die Initiative voranzubringen?
Dr. Huber: Als Nächstes steht ja die Gründung der Projektgesellschaft an, um möglichst schnell in die weitere Planung und Umsetzung konkreter Schritte zu kommen, unter anderem. dem Bau einer Wasserstoff-Tankstelle am Kombi-Terminal Burghausen, der Umstellung von Fuhrparks im ÖPNV und bei weiteren Unternehmen, der Planung einer Elektrolyseanlage und so weiter... In der Staatsregierung ist unsere Initiative bei allen maßgeblichen Stellen von der Staatskanzlei bis zum bayerischen Wirtschaftsministerium bestens platziert. Die Gespräche dazu werden kontinuierlich fortgesetzt. Auch gemeinsam mit unserem Bundestagsabgeordneten, Parlamentarischem Staatssekretär Stephan Mayer sind wir da permanent in Kontakt mit allen politischen Ebenen. Jetzt gilt es, die vielen guten Ideen einer praktischen Anwendung von Wasserstoff jetzt auch zu einer Wasserstoff-Strategie für die Industrie weiter zu entwickeln.

Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass die Wasserstoff-Initiative in verschiedenen Landkreisen des Freistaats aufgegriffen wurde. Gibt es hier das Risiko, dass sich hier ein Wettbewerb vor allem um Förderungen abzeichnet mit der Gefahr eines Leerlaufs in der Sache, oder gibt es bereits Ansätze zu produktiven Kooperationen?
Dr. Huber: Unser Aufschlag hat eine große Resonanz erfahren, was ja sehr erfreulich ist. Natürlich bedeutet dies auch, dass verschiedene Initiativen zueinander in Konkurrenz stehen könnten. Andererseits ergeben sich daraus auch tolle Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der gemeinsamen Entwicklung neuer Ideen. Gerade mit der Initiative in Passau sind wir bereits in regem Kontakt.
Diese Ansätze beschäftigen sich unter anderem sehr detailliert mit der Umrüstung von Fahrzeugen auf Wasserstoffantriebe, was natürlich gegenüber Neuanschaffungen einen Preisvorteil liefert. Hier sehe ich durchaus gute Möglichkeiten für Synergien. Darüber hinaus bestätigen uns sämtliche Ansprechpartner, dass kaum ein anderes Vorhaben so weit, so konkret und so gut konzipiert ist wie unsere Initiative. Wir haben hier einen Vorsprung. Den dürfen wir jetzt aber nicht verspielen, sondern müssen ihn konsequent nutzen.

Die Wacker Chemie ist bereits mit einem sehr konkreten Investitions-Vorhaben in Burghausen auf den Plan getreten und hat das Vorhaben bei der EU zur Förderung eingereicht. Wird das konkrete Projekt auch die Unterstützung des Bayerischen Landtags finden?
Dr. Huber: Gemeinsam mit unserem Bundestagsabgeordneten, Parlamentarischem Staatssekretär Stephan Mayer setze ich mich massiv auf allen politischen Ebenen für dieses Projekt ein, das ein Kernstück einer Wasserstoff-Strategie für die Industrie sein kann. Auch hier sind bereits Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eingebunden, um dieses Projekt zu unterstützen. Die konkreten Fördertöpfe, die für dieses Vorhaben passend sind, sind allerdings nicht beim Freistaat Bayern, sondern im Bund und vor allem bei der EU-Kommission.

Und in Burghausen hat der junge Campus als Ableger der Technischen Hochschule Rosenheim das Thema Wasserstoff bereits in sein Programm aufgenommen, erste Abschlussarbeiten haben sich schon damit beschäftigt. Wie schaut es denn aus, dort einen eigenen Lehrstuhl für das Thema Wasserstoff-Technologie zu errichten, oder weitergehend, wie der Vorstandsvorsitzende der Wacker Chemie schon vor Jahren mal ins Gespräch gebracht hat, in Burghausen ein Institut für Elektro-Chemie zu etablieren?
Dr. Huber: Darin steckt großes Potenzial. Die besondere Nähe von Forschung, Lehre und Anwendung in der Praxis zeichnet den Campus Burghausen aus. Die zukünftige verstärkte Anwendung der Wasserstofftechnologie wirft auch neue Fragen in der Forschung auf. Gerade der Bereich Materialwissenschaft ist hier zu nennen. Welche Eigenschaften brauchen Materialien, die im Praxisbetrieb Wasserstoff speichern und lagern sollen? Welche Notwendigkeiten ergeben sich auf Dauer für den Betrieb von wasserstoffgetriebenen Motoren und Antrieben für die entsprechenden Materialien? All dies kann im Zuge weiterer Forschungen auch am Campus Burghausen untersucht werden.
Auch hier hat unsere Initiative bereits eine große Aufmerksamkeit erhalten und es haben erste viel versprechende Gespräche mit spannenden Partnern stattgefunden. So hat die Bundeswehruniversität Neubiberg bezogen auf Fahrzeugbau und Wasserstoffantrieb Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Campus Burghausen, genauso wie die europäische Raumfahrtbehörde ESA, für die dann wiederum die Beschaffenheit von Materialien beim Einsatz von wasserstoffgetriebenen Raumfahrtzeugen eine Rolle spielt. Wie gesagt, diese Gespräche stehen erst am Anfang, aber ich kann mir schon vorstellen, dass daraus was wird. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich auch sinnvoll, das Angebot an Forschung und Lehre am Campus Burghausen noch stärker auf den Zukunftsbereich Wasserstoff auszurichten – was auch geschieht: Die Technische Hochschule Rosenheim wird aus den Mitteln der Hightech-Agenda Bayern zum 1. Oktober 2021 eine Professur mit dem Schwerpunkt Wasserstofftechnologie am Campus Burghausen einrichten.

Das Interview führte Dr. Ernst Deubelli, Redaktion Heimatwirtschaft PNP/ANA

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Nach einem Jahr zieht Initiator, Landtagsabgeordneter Dr. Martin Huber aus Töging, eine erste positive Bilanz zu den Plänen und Projekten der Wasserstoff-Initiative für das bayerische Chemiedreieck.